DER DOMPFAFF


Es ist schon erstaunlich welche wunderschönen Meisterwerke die Evolution der Fauna hervorgebracht hat. Eines davon ist der Dompfaff (pyrrhula-pyrrhula) aus der Familie der Finken. Das Männchen (Hahn) ist mit einem Federkleid ausgestattet, das unmittelbar an die farbenprächtigen, roten Gewänder eines Kardinals der Kirche erinnern lässt, während das Weibchen (Henne) in einem schlichten Aschgrau gekleidet, so ganz dem (überkommenen) Idealbild des Vatikans entspricht.

Rote Gewänder waren in der Antike, hin bis zum späten Mittelalter nur Kaiser und Königen und dem Klerus vorbehalten, da die Herstellung des Farbstoffes, der von der Purpurschnecke sehr teuer und aufwendig war.

Auch im Aztekenreich, im heutigen Mexiko war das Tragen von roten Gewändern nur den Herrschenden vorbehalten. Der Farbstoff dazu wurde von Cochenillelaus gewonnen, die auf Opuntien Kakteen gezüchtet wurden. Nach der Eroberung Südamerikas durch die Spanier im 16ten Jahrhundert brachten diese Anbaukultur und Verarbeitungstechniken mit nach Europa. So wurden auch in Teneriffa Großplantagen zur Erzeugung dieses edlen Farbstoffes angelegt, die den Großteil der Einnahmen des kleinen Inselreiches darstellten. Mit dem Aufkommen der chemischen Industrie zur Erzeugung von Farben (IG Chemie) endete dann diese Technik.

Nicht selten sieht man auch zwei Dompfaff Hähnchen friedlich zusammen an der Futterstelle. Die Rivaltität scheint bei den Dompfaffen nicht besonders ausgeprägt zu sein.
Das Dompfaff Weibchen unterscheidet sich durch seine fahl-rosagraue Färbung stark von dem kardinalroten Federkleid des Männchens.
Das Dompfaff Hähnchen erstrahlt regerecht im rosaroten Brust- und Bauchgefieder mit schwarzem Kopf und graublauen Schwingen.

Der Dompfaff ist arglos und zeigt gegen seine Genossen große Anhänglichkeit. Seine Nahrung besteht aus Baum- und Grassämereien und Kerbtieren, im Frühjahr benagt er auch Knospen; er brütet in Gebirgswäldern, selten im Tiefland, baut sein Nest nicht sehr hoch auf Bäumen und legt im Mai 4–5 grünlichblaue, violett, schwarz und braun gefleckte Eier, die das Weibchen zwei Wochen bebrütet.

„Sein Gesang ist nicht sonderlich, aber er ahmt gern vorgepfiffene Stückchen nach und ist deshalb ein beliebter Stubenvogel. In Sachsen, Hessen, Thüringen wurden noch im 19ten Jahrhundert jährlich hunderte Vögel zum Gesang abgerichtet und dann in alle Welt verkauft. Sie werden zu diesem Behuf aus dem Neste genommen, ehe sie flügge sind, und so gelehrt, dass man ihnen täglich, besonders früh und abends, vorpfeift. Manche lernen ohne Mühe 2–3 Stückchen, andre behalten nicht eins. Alle werden sehr zahm und zutraulich und nisten auch leicht in geräumigen Käfigen.“ Vgl. Schlag, Der Dompfaff (4. Aufl., Magdeb. 1899)

„Der Gimpel“

„Behaglich sitzt in seinem kleinen Bauer

Der Gimpel, pfeifend sein gelerntes Lied.

Er hängt im Sonnenschein dort an der Mauer,

Er hat es gut, und gar nichts fällt ihm sauer,

Er ist zufrieden, wie man deutlich sieht“

Fundstück im Netz Autor nicht bekannt

Der Dompfaff stand auch in den berühmten Porzellanmanufaturen, in Berlin und Meissen, Modell für zahlreiche Bildhauer und Künstler. Als keramischer Pendant zum Stubenvogel in der Voliere hielt er damit auch Einzug in die Vitrinen der begüterten Bürgerhäuser. Die Modelle werden zum Teil heute noch produziert und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Legendär ist das Libretto aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss-Sohn  von 1885: „Wer hat uns getraut?“ „Der Dompfaff der hat uns getraut“ Operette in 3 Akten nach einer Erzählung von Mór Jókai, bearbeitet von Ignaz Schnitzer.

Im Jahre 2021

Rainer Kuhn

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