Vorfrühling 2018 im Saarländischen Hochwald

Blick auf den Wenzelstein und Nuhweiler. Der aufsteigende Nebel enthüllt die Kulturlandschaft des Saarländischen Hochwaldes

Vorfrühling in Wald und Feld

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Es regnete seit Wochen. Das Sturmtief „Friederike“ folgte der Kollegin „Brunhild“ auf dem Fuß und transportierte riesige Regenmengen mit sich. Große Schäden an der Infrastruktur und in Wald und Flur brachten nicht nur die Aktienkurse der Rückversicherungen in die Rückwärtsbewegung, auch die Outdoor Aktivitäten der Bevölkerung war stark eingeschränkt.

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Da die vollgesogenen Böden, diese Mengen nicht mehr aufnehmen konnten, suchte sich das Wasser seine eigenen Wege ins Tal und verwandelte dort friedlich dahinfließende Bäche in gefährliche Ströme.

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Seit 3 Monaten kaum Sonne!

Man konnte nicht raus und das schlechte Wetter, das ständige Grau drückte massiv die Stimmung der Daheimgebliebenen. Die „Flemm“, eine typisch saarländische Krankheit, auf der Webseite der saarländischen Regierung näher erklärt, grassierte unter weiten Bevölkerungsschichten, die noch nicht einmal, die normale Krippewelle überstanden hatten. Der trübste Winter seit 50 Jahren titelt „Wetter24“. Nur um die 4 Sonnenstunden im ganzen Monat Januar 2018. Vier Stunden im ganzen Monat und das seit November 2017! Da verblieb nur das Sonnenstudio oder gleich Teneriffa um den Vitamin D Mangel auszugleichen. Das Dauergrau lastete schwer auf den Gemütern der Hochwälder und drüben im „Reich“, wie ältere Saarländer immer noch zu sagen pflegen, war es nicht anders.

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Und dann kam der 27.Januar 2018! Und plötzlich war alles anders. Schon am Vorabend wurde vom „Aktuellen Bericht“ ein Zwischenhoch angekündigt.

Ganz früh am Morgen behinderte der Nebel noch die Sicht. Das Hubertuskreuz war selbst auf  50m Entfernung kaum auszumachen.IMG_2641

Die Mühen, verbunden mit dem frühen Aufstehen und der weiten Anfahrt wurden durch diesen einzigartigen Anblick mehr als entschädigt.Die erhabene Stille an diesem frühen, verschlafenen Samstagmorgen wurde nur durch das niederfrequente, pulsierende Brummen der Windräder in Primstal-Mühlfeld gestört, obwohl die Entfernung nach Krettnich über 3km beträgt.

2018 Primstal Langhecke

Es bleibt wirklich zu hoffen, dass die Windräder gegenüber auf dem Wenzelstein nicht genehmigt werden.Die Folge wäre eine radikale Veränderung des Landschaftsbildes für die Bewohner von Krettnich, Lockweiler und Nuhweiler, die dann von den Geräuschsimmissionen der Windkraftanlagen in die Zange genommen werden. Die Wahrung und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft im saarländischen Hochwald erfährt durch den wildwüchsigen Ausbau der Windenergie einen großen Rückschritt. Jeder windhöffigen Hügel, der eine durchschnittliche Strömungsgeschwindigkeit der Luft von 4 km/h aufweist, steht jetzt im Fokus der politischen Eiferer des Energiewandels und muss wie eine keltische Fliehburg von den Bürgern, die sich in Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben, verteidigt werden.

Das Landschaftsbild

Im Bewusstsein der Menschen wird das Landschaftsbild der Gegend, wo man aufgewachsen ist und lebt, als Heimat empfunden.

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In der morgendlichen kühlen Stille fühlte man sich der Natur sehr nah. Der Wald, sauerstoffreich und frisch duftend, war voller Wasser, und so rauschte und gurgelte es und tropfte in dem sich auflösenden Nebel in silberglänzenden Tropfen von den Bäumen: Selbst für den erfahrenen Jäger und Naturfotographen ein seltenes Erlebnis.

Silberne Tropfen

Nichts kann diesen Moment, diese Stimmung besser beschreiben, als dieses Lied:

 

  “Die Waldandacht“

 Frühmorgens, wenn die Hähne krähn,
eh noch der Wachtel Ruf erschallt,
eh‘ wärmer als die Lüfte wehn,
vom Jagdhornsruf |: das Echo hallt. 😐
|: |: dann gehet auf nach seiner Weise 😐
|: der liebe Herrgott durch den Wald.:| 😐

2. Die Quelle, die ihn Kommen hört,
hält ihr Gemurmel auf sogleich,
auf dass sie nicht in Andacht stört
so gross als klein |: im Waldbereich; 😐
|: |: Die Bäume denken: „Nun lasst uns senken 😐
|: vorm lieben Herrgott das Gezweig!“:| 😐

3. Die Blümelein, wenn sie aufgewacht,
sie ahnen auch den Herrn alsbald
und schütteln rasch den Schlaf der Nacht
sich aus den Augen mit Gewalt, ja mit Gewalt,
|: |: und flüstern leise rings um im Kreise: 😐
|: „Der liebe Gott geht durch den Wald!“:| 😐

2018 Januar Bock im Bast

Ein starker Rehbock zieht in der Morgensonne über den mit Reif überzogenen Kamm in seinen Unterstand

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Früh am Morgen an der Prims mit Blick auf Krettnich

Das Tal der Prims bei Lockweiler Krettnich noch mit Raureif überzogen. Kirchturm und Häuser des traditionsreichen Hochwalddorfes im Morgennebel.

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Überflutete Wiesen, hohe Pegelstände, überlaufende Teiche und Weiher sind eine wahre Bereicherung des Lebensraumes für unsere Wasservögel. Neben den einheimischen Stockenten konnten man an diesem Samstagmorgen gleich mehrere neue Zusiedler in unsere Reviere ausmachen: die Nil-und die Kanadagans und den aerodynamisch gestylten Kormoran, den Mitpächter der Angler und Fischweiherbetreiber.

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Das Tal der Prims teilweise überflutet. Hier im Bereich der Alten Burg Lockweiler

 

 

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Die Kanadagans ist im nördlichen Saarland heimisch geworden.

Landschaftsbild nach MORO

„Der Wandel von Landschaften ist kein neuer Prozess. Neu hingegen ist jedoch das Tempo, in dem er sich vollzieht. Wesentliche Ursachen dieses Landschaftswandels liegen vor allem in der Energiewende, dem Wandel der Agrarstruktur sowie der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. In einer Vorstudie standen sowohl die Bedeutung aktueller wie zukünftiger Transformationsprozesse als auch die Möglichkeiten einer regionalen Landschaftsgestaltung zur Diskussion. Ziel war es, die konzeptionelle Basis für das neue Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) „Regionale Landschaftsgestaltung“ zu legen und Rahmenbedingungen für die Erprobung innovativer Ansätze in Modellregionen auszuloten.“

Was ist aus dieser Studie geworden? Die Gestaltung und Pflege unserer Landschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Änderungen müssen moderat und verträglich für alle Beteiligten: Mensch, Flora und Fauna, vorgenommen werden.

Dem Ausbau der Windenergie Priorität einzuräumen und das Bild der Landschaft, in der wir leben, unsere Heimat, nachhaltig zu zerstören, werden die Bürger nicht akzeptieren.

Im Januar 2018

Rainer Kuhn

 

 

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